Weltkulturen Museum – Ein erneuter Versuch

Eigentlich bin ich ein Anhänger davon, das Weltkulturen Museum auf dem Campusgelände in Bockenheim in der Nachbarschaft des Senckenbergmuseums zu bauen. Ich war mir dabei aber nicht im Klaren darüber, dass das erweiterte Senckenbergmuseum neben der Alten Physik nicht nur Teile des ehemaligen Uni-Hauptgebäudes in Anspruch nehmen wird, sondern ihm das gesamte Hauptgebäude zugeschlagen wird.
Damit würde aus meiner Sicht auf dem Campusgelände nur der Platz des heutigen Studierendenhauses als zukünftiger Standort des Museums für Weltkulturen verbleiben, wobei fraglich ist, ob dort Platz genug für das umfängliche Raumprogramm des Museums wäre. Wahrscheinlich müsste der Standort durch Einbeziehung des Sozialzentrum-Gebäudes in Richtung auf die Bockenheimer Warte erweitert werden.
Vor diesem Hintergrund rate ich, noch einmal einen neuen Anlauf zu machen, das Museum doch noch auf dem ursprünglich vorgesehenen Gelände des Metzlerparks am Mainufer unterzubringen.
Klar ist dabei, dass wir uns das Gehen in den Untergrund wie beim bisher verfolgten Kuehn/Malvezzi-Entwurf a) nicht leisten können und es b) mit zu großen Risiken für den schützenswerten Baumbestand verbunden wäre.
Also müssen wir uns hier an anderer Stelle den notwendigen Raum verschaffen.
Ich schlage dazu vor (jeder Kompromiss hat meist auch eine schmerzhafte Komponente) als erstes das Kutscherhaus für einen Neubau zu opfern (es kann ja an anderer Stelle wieder errichtet werden) und dann zu überprüfen, ob man nicht zwei oder sogar alle drei Villen (Schaumainkai 37, 35 und 29) durch einen direkt dahinter platzierten, zusammenhängenden Neubau erweitern kann, wobei es sich anbietet den erforderlichen Raum durch einen Abriss jeweils des hinteren Drittels der Villen zu schaffen. Das neue Gebäude müsste dabei mainseitig so transparent ausgeführt werden, dass das Mainufer-Panorama mit den historischen Fassaden der Villen völlig unbeeinträchtigt bleibt. Zudem sollte dieser Neubau, sofern der Platz nicht ausreicht um alle Ausstellungsflächen unterzubringen, durch einen weiteren schmalen Gebäudeflügel parallel zur Bebauung der Schweizer Straße an der Westseite des Metzler Parks ergänzt werden.
Wie auch immer diese drei Maßnahmen zusammen sollten reichen um auch ein ambitioniertes Raumprogramm zu verwirklichen.
Ein Raumprogramm, das ggf. möglicherweise auch noch abgeschmolzen werden kann: Wegfall des Auditoriums und/oder Lesesaals oder des Besucher-Cafés (das des Museums für angewandte Kunst kann ja mitgenutzt werden) und auch nicht alle Restaurierungswerkstätten und Verwaltungsräume müssen unbedingt in dem Neubau auf dem Kutscherhausgrundstück realisiert werden.
Und vielleicht ist auch eine zusätzliche Entlastung bringende Dependance für wechselnde Ausstellungen des Museums für Weltkulturen an einem anderen Standort in der Stadt denkbar z.B. im Skyline Plaza, wo ja früher einmal ein sichtbares, Publikum anziehendes kulturelles Raumangebot als Highlight versprochen war. Oder man entscheidet sich für ein oder zwei Geschosse Ausstellungsfläche (vielleicht auch nur vorübergehend bis zum Neubau des Museums für Weltkulturen) in einem Gebäude zwischen Roßmarkt und Goetheplatz, dessen Machbarkeit und positive stadträumliche Wirkung mit dem temporären „Zukunftspavillon“ so eindrucksvoll belegt worden ist.
Übrigens die Verteilung auf die beiden L-förmig angeordneten Austellungsgebäude (natürlich inklusive der Ausstellungsflächen in den drei Villen) und den Kutscherhausneubau hat vielleicht auch noch den Vorteil, dass man mehrere Stifter für den Neubau werben könnte, die dann jeweils einem dieser Gebäude ihren Namen geben könnten, z.B. der „A. und der B. Stifter-Pavillon des Museums für Weltkulturen“. Das ist sicher Erfolgs versprechender als nach nur einem Sponsor zu suchen, der den Bau des gesamten Museums finanziert.

Und noch eine Anmerkung zum Schluss: Der Erhalt somit trotz der Neubauten einer möglichst großen Freifläche im Metzlerpark ist nicht nur ein Muss hinsichtlich des Baumbestandes und der Naherholungsfunktion für die Sachsenhäuser Anwohner, sondern auch weil der Park inzwischen für das Museumsuferfest eine feste, unverzichtbare Größe geworden ist.
Wenn ich über entsprechende finanziellen Mittel verfügen könnte, würde ich die ersten vier Preisträger des Wettbewerbs vom Dezember 2010 einladen ihre Entwürfe unter den zuvor dargestellten veränderten Rahmenbedingungen nochmals zu überarbeiten.